Elternstress erkennen – Unterstützung frühzeitig ermöglichen
Die Parental Stress Scale: Ein Instrument für die pädiatrische Versorgung
Wie wir helfen
Elterliche Belastung beeinflusst das Familienleben – doch im Versorgungsalltag bleibt sie häufig unentdeckt. Dabei kann gerade das frühzeitige Erkennen von Belastungen entscheidend sein, um Familien bedarfsgerecht zu unterstützen.
Die Theodor-Hellbrügge-Stiftung fördert deshalb die wissenschaftliche
Weiterentwicklung und Neunormierung der Parental Stress Scale (PSS). Unser Ziel ist es, ein wissenschaftlich fundiertes Instrument für die praktische Anwendung in der pädiatrischen Versorgung bereitzustellen.
Die PSS erfasst, wie Eltern ihre Rolle erleben und welche positiven wie belastenden Aspekte damit verbunden sind. Durch die Überprüfung und Aktualisierung des Fragebogens sollen Fachkräfte künftig elterliches Stresserleben differenziert erfassen und anhand aktueller Referenzwerte besser einordnen können.
So schaffen wir eine wichtige Voraussetzung dafür, dass elterliche Belastung in Kliniken und anderen Versorgungskontexten systematischer wahrgenommen wird.
Ein erhöhter Belastungswert kann Anlass sein, genauer hinzusehen, das Gespräch mit Familien zu suchen und bei Bedarf passende Beratungs- und Unterstützungsangebote anzubahnen.
Unser Anliegen: Ein wissenschaftliches Instrument in die Versorgung bringen – damit Belastungen früher erkannt und Familien gezielter unterstützt werden können.
Hintergrund
Einblicke in die Entstehung und Zielsetzung des Projektes
Warum das Förderprojekt ins Leben gerufen wurde, welche gesellschaftlichen Herausforderungen es adressiert
und welche Wirkung es erzielen soll.
Die Situation
Elterlicher Stress ist ein relevanter Einflussfaktor für das familiäre Zusammenleben und die Entwicklung von Kindern. Dennoch wird er im Versorgungssystem bislang nicht systematisch genug berücksichtigt. Gerade dort, wo Fachkräfte regelmäßig mit jungen Familien in Kontakt kommen, fehlen häufig geeignete Instrumente, um elterliche Belastung strukturiert zu erfassen und fachlich einzuordnen.
Bestehende Verfahren sind teilweise veraltet. Zudem fehlen aktuelle Referenzwerte für eine deutsche Vergleichsgruppe, die eine differenzierte Interpretation individueller Belastungswerte ermöglichen.
Damit bleibt eine wichtige Chance ungenutzt: Belastungen frühzeitig wahrzunehmen, bevor sich Schwierigkeiten im Familienalltag verfestigen, und Familien bei Bedarf gezielt Unterstützung zugänglich zu machen.
Ein zeitgemäßes, wissenschaftlich fundiertes und niedrigschwellig einsetzbares Erhebungsinstrument kann dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Es schafft eine gemeinsame fachliche Grundlage, um elterliches Stresserleben sichtbar zu machen und in die Einschätzung der familiären Situation einzubeziehen.
Das Ziel
Wir wollen die Voraussetzungen dafür verbessern, dass elterliche Belastung in der pädiatrischen Versorgung frühzeitig erkannt und bei der Unterstützung von Familien berücksichtigt werden kann.
Dafür wird die Parental Stress Scale anhand aktueller Daten von Familien in
Deutschland wissenschaftlich überprüft und neu normiert. Die gewonnenen
Erkenntnisse sollen die Qualität des Instruments sichern und eine differenzierte Einordnung individueller Ergebnisse ermöglichen.
Perspektivisch soll die Parental Stress Scale Fachkräften in Kliniken und weiteren pädiatrischen Versorgungskontexten als niedrigschwelliges Screeningverfahren zur Verfügung stehen. Sie kann dazu beitragen, elterliches Stresserleben strukturiert anzusprechen und Hinweise auf einen möglichen Beratungs- oder
Unterstützungsbedarf zu gewinnen.
Mittelfristig wollen wir damit die Voraussetzungen schaffen, dass elterliche Belastung stärker in die Versorgung junger Familien integriert wird. Langfristig soll dies dazu beitragen, Unterstützung bedarfsgerechter auszurichten, familiäre Ressourcen zu stärken und dadurch die Entwicklungs- und Teilhabechancen von Kindern zu fördern.
Unsere Strategie
Damit wissenschaftliche Erkenntnisse in der Versorgung wirksam werden können, müssen sie in der Praxis anwendbar sein. Genau hier setzt unser Projekt an: Wir schaffen die wissenschaftliche Grundlage für ein Instrument, das elterliche Belastung nicht nur beschreibt, sondern perspektivisch in die pädiatrische Versorgung integrierbar macht.
Die Datengrundlage bildet die Studie JuFaDe (Junge Familien in Deutschland), eine deutschlandweite Befragung junger Familien. Teilnehmen können Eltern und Bezugspersonen von Kindern bis zum Alter von sechs Jahren. Neben psychosozialen Belastungsfaktoren wird auch das elterliche Stresserleben erfasst.
Die Parental Stress Scale kommt dabei zunächst in ihrer ursprünglichen Fassung zum Einsatz.
Auf Basis der erhobenen Daten werden die psychometrischen Eigenschaften des Instruments überprüft und gegebenenfalls gezielte Anpassungen vorgenommen.
Anschließend werden aktuelle Normwerte für die deutsche Stichprobe bestimmt. Sie bilden die Grundlage, um individuelle Ergebnisse künftig differenziert interpretieren zu können.
Bereits mehr als 5.000 Familien haben am ersten Erhebungszeitpunkt teilgenommen.
Derzeit werden erste Befunde zum elterlichen Stresserleben und zu dessen
Zusammenhängen mit familiären und gesellschaftlichen Einflussfaktoren
ausgewertet.
Der nächste entscheidende Schritt ist der Transfer in die Versorgung. Perspektivisch soll die Parental Stress Scale dort eingesetzt werden können, wo Fachkräfte Familien begleiten und beraten. Ein standardisiertes, wissenschaftlich fundiertes Instrument kann helfen, elterliches Stresserleben systematisch in den Blick zu nehmen und es zum Ausgangspunkt eines fachlichen Gesprächs zu machen.
So soll aus wissenschaftlicher Erkenntnis ein praktischer Ansatz werden:
Belastungen werden besser erfassbar, Unterstützungsbedarfe können gezielter wahrgenommen und Familien bei Bedarf leichter an geeignete Angebote herangeführt werden.
Langfristig wollen wir dazu beitragen, dass die psychosoziale Situation von Eltern selbstverständlicher zur Betrachtung kindlicher Gesundheit gehört. Denn eine Versorgung, die auch die Lebenssituation der Familie berücksichtigt, schafft bessere Voraussetzungen dafür, Kinder in ihrer Entwicklung zu stärken.
Helfen Sie uns dabei,
Gesundheit und Teilhabe
von Kindern zu fördern.
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